PEA (Palmitoylethanolamid): Wirkung, Studien und Einnahme

Ältere Frau mit Rückenschmerzen und PEA 600 Kapseln von ApoLife

PEA (Palmitoylethanolamid) ist eine körpereigene Fettsäureverbindung, die an der Regulation von Entzündungsprozessen und der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist. Sie wird wissenschaftlich untersucht und auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Was lässt sich aus den Studien ableiten – und was ist bei Auswahl und Einnahme zu beachten?

Dieser Beitrag der St. Martin Apotheke in Villach erläutert die Grundlagen, ordnet zwei Metaanalysen ein und gibt praktische Hinweise. Studienergebnisse zu bestimmten Formulierungen sind kein Wirksamkeitsnachweis für jedes erhältliche PEA-Präparat.

Was ist PEA (Palmitoylethanolamid)?

Palmitoylethanolamid gehört zur Gruppe der Fettsäureethanolamide. Der menschliche Körper bildet die Substanz selbst; geringe Mengen kommen auch in Lebensmitteln wie Eigelb, Soja und Erdnüssen vor. Aus Veränderungen der körpereigenen Bildung lässt sich kein allgemeiner behandlungsbedürftiger PEA-Mangel ableiten.

PEA einfach erklärt:

  • Vollständiger Name: Palmitoylethanolamid.
  • Substanzklasse: körpereigenes Fettsäureethanolamid.
  • Forschung: biologische Signalwege sowie mögliche Effekte bei verschiedenen chronischen Schmerzformen.
  • Einordnung: Nahrungsergänzungsmittel sind keine zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten.

Wie wirkt PEA im Körper?

Untersucht wird insbesondere die Wechselwirkung mit PPAR-α, einem Rezeptor, der an der Regulation von Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Auch Mastzellen und Mikrogliazellen stehen im Fokus: Diese Zellen übernehmen Aufgaben in der Immunabwehr beziehungsweise im zentralen Nervensystem. Experimentelle Befunde zur Beeinflussung solcher Prozesse erklären das Forschungsinteresse. Sie belegen für sich allein noch keinen klinischen Nutzen der Einnahme. [1]

PEA bei chronischen Schmerzen und Nervenschmerzen: Was zeigen Studien?

Chronische Schmerzen bestehen oder wiederholen sich über mehr als drei Monate. Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Erkrankung des somatosensorischen Nervensystems und können ebenfalls chronisch sein.

Metaanalyse 2023: 11 Studien mit 774 Teilnehmenden

Lang-Illievich und Mitautoren werteten elf randomisierte, doppelblinde Studien mit insgesamt 774 Teilnehmenden aus. Im zusammengefassten Ergebnis waren die Schmerzwerte unter PEA niedriger als unter den Vergleichsbehandlungen. Die Studien unterschieden sich jedoch stark, etwa bei Erkrankungen, Formulierungen und Begleittherapien. Auch Kombinationspräparate wurden berücksichtigt. [1]

Metaanalyse 2024: 9 Studien mit 742 Teilnehmenden

Schweiger und Mitautoren untersuchten neun Studien mit insgesamt 742 Teilnehmenden und mikronisierten beziehungsweise ultramikronisierten Formulierungen, teils in Kombination mit Polydatin. Nach 60 Tagen waren die Schmerzwerte im Mittel niedriger als nach 30 Tagen. Acht Studien waren unkontrolliert; nur eine war randomisiert. Der Zeitvergleich belegt deshalb nicht, dass die zusätzliche Verbesserung allein durch PEA entstand. Begleitbehandlungen und der natürliche Verlauf können das Ergebnis beeinflussen. Die untersuchten Präparate stammten von einem Hersteller. [2]

Die Ergebnisse liefern Hinweise, erlauben aber keine pauschale Behandlungsempfehlung für alle Schmerzursachen. Weitere hochwertige, kontrollierte Studien sind notwendig, um Nutzen, Dosierung und langfristige Sicherheit verlässlicher zu beurteilen. Eine verordnete Schmerztherapie darf nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden.

Untersuchungsbereich

Einordnung der Daten

Neuropathische Beschwerden

In einzelnen kontrollierten Studien untersucht; Ergebnisse sind nicht auf jede Nervenschädigung übertragbar. [1]

Muskuloskelettale und andere chronische Schmerzen

Unterschiedliche Erkrankungen und Präparate erschweren allgemeine Aussagen. [1]

Einnahmedauer von 30 bzw. 60 Tagen

Hinweise auf niedrigere Schmerzwerte nach 60 Tagen; überwiegend unkontrollierte Daten. Weitere kontrollierte Studien nötig. [2]

Einnahme von PEA: Mahlzeiten, Tagesmengen und Dauer

Während oder nach einer Mahlzeit einnehmen

Ein konkreter Praxishinweis ist die Einnahme während oder nach einer Mahlzeit, sofern die Produktkennzeichnung nichts anderes vorsieht. PEA ist fettlöslich und schlecht wasserlöslich. Eine Mahlzeit ist deshalb ein sinnvoller Einnahmezeitpunkt; eine garantierte bessere Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten. [1]

Welche Tagesmengen wurden untersucht?

In den 2023 ausgewerteten Studien kamen beispielsweise 300, 600 und 1.200 mg PEA täglich zum Einsatz. Diese Studienmengen sind keine persönliche Dosierungsempfehlung und keine Aufforderung, die auf der Packung angegebene Tagesmenge zu überschreiten. Eine allgemein gesicherte Standarddosierung gibt es nicht. [1]

Warum mehrere Wochen eine Rolle spielen

Viele Untersuchungen bewerteten die Einnahme über mehrere Wochen; die Arbeit von 2024 verglich Messungen nach 30 und 60 Tagen. Daraus lässt sich weder ein fester Wirkeintritt noch eine allgemeine Mindestdauer ableiten. Wer sich nach Beratung für ein Präparat entscheidet, sollte Einnahmeplan und Zeitpunkt einer erneuten Beurteilung vereinbaren. Beschwerden, Verträglichkeit und Veränderungen der übrigen Medikamente können dafür kurz dokumentiert werden. Bei fehlendem Nutzen sollte die Einnahme besprochen und nicht unbegrenzt fortgesetzt werden. [1, 2]

Worauf beim Kauf von PEA achten?

Mikronisiert oder nicht mikronisiert?

PEA ist schlecht wasserlöslich. Bei mikronisierten Präparaten wird die Partikelgröße verkleinert, um die Aufnahme zu verbessern. Ein Teil der klinischen Studien, darunter die Metaanalyse von 2024, verwendete solche Formulierungen eines einzelnen Herstellers. Daneben sind zahlreiche nicht mikronisierte PEA-Präparate erhältlich.
Ob und wie stark sich die Formulierung auf das Ergebnis beim einzelnen Menschen auswirkt, lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht verlässlich ableiten. Unabhängig von der Formulierung gilt: Da PEA fettlöslich ist, ist die Einnahme zu einer Mahlzeit sinnvoll. Wichtig sind außerdem eine regelmäßige Einnahme und ein Präparat mit klar deklariertem PEA-Gehalt.

PEA-Menge pro Kapsel und pro Tagesportion

Vergleichen Sie den tatsächlichen PEA-Gehalt, nicht nur die Menge eines Rohstoffgemischs. Entscheidend ist auch, wie viele Kapseln für die deklarierte Tagesportion vorgesehen sind. Eine höhere Zahl auf der Packung bedeutet nicht automatisch ein besser geeignetes Präparat.

Zusatzstoffe und nachvollziehbare Produktangaben

Achten Sie auf die vollständige Zutatenliste, die Kapselhülle und gegebenenfalls Allergene. Kombinationspräparate können weitere Stoffe enthalten, die bei der Beratung berücksichtigt werden müssen. Ein verantwortlicher Anbieter, klare Einnahmeangaben und nachvollziehbare Informationen zur Zusammensetzung helfen bei der Auswahl. Fragen Sie bei unklaren Angaben nach; Werbebegriffe wie „Testsieger“ ersetzen keinen überprüfbaren Testbericht.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

PEA wurde in bisherigen Studien überwiegend gut vertragen. Die begrenzte Zahl und Dauer der Untersuchungen schließen seltene Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen jedoch nicht aus. Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder reichen die Daten nicht für eine allgemeine Einnahmeempfehlung. Bei schweren chronischen Erkrankungen und regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist eine vorherige ärztliche oder pharmazeutische Abklärung sinnvoll.

Bringen Sie zur Beratung eine vollständige Liste Ihrer Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit. Neu auftretende, zunehmende oder ungeklärte Schmerzen sollten ärztlich untersucht werden, statt sie durch zusätzliche Präparate selbst zu behandeln.

Persönliche Beratung in der St. Martin Apotheke

Bei der Beratung besprechen wir die Zusammensetzung des Präparats, die Produktangaben und bestehende Medikamente. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung der Ursache dazu. Sie erreichen uns persönlich in der Apotheke oder telefonisch unter +43 4242 59512.

Mag. pharm. Bernd Edler, BA, Apotheker und Inhaber der St. Martin Apotheke über PEA: „Bei PEA beraten wir in der Apotheke sehr individuell. Entscheidend sind die Qualität des Präparats, eine konsequente Einnahme über mehrere Wochen und die Abstimmung mit bestehenden Medikamenten. Bei anhaltenden Schmerzen gehört die Ursache immer ärztlich abgeklärt.“

Häufig gestellte Fragen zu PEA

Was ist PEA und wofür wird es verwendet?

PEA steht für Palmitoylethanolamid. Die körpereigene Fettsäureverbindung wird wegen ihrer möglichen entzündungsregulierenden und schmerzmodulierenden Eigenschaften erforscht. Als Nahrungsergänzungsmittel ist PEA erhältlich; das ist keine Arzneimittelzulassung.

Hilft PEA gegen Nervenschmerzen?

Es gibt positive Studienergebnisse bei bestimmten neuropathischen Beschwerden. Eine allgemeine Empfehlung für alle Ursachen von Nervenschmerzen lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie lange dauert es, bis PEA wirkt?

Ein verlässlicher Wirkeintritt für einzelne Personen lässt sich aus den Studien nicht vorhersagen. Die Untersuchungen bewerteten Veränderungen häufig über mehrere Wochen.

Ist PEA ein natürliches Schmerzmittel?

PEA ist eine natürlich im Körper vorkommende Substanz mit potenziell schmerzmodulierenden Eigenschaften. Als Nahrungsergänzungsmittel ist es jedoch nicht automatisch einem zugelassenen Schmerzmittel gleichzusetzen.

Kann PEA gemeinsam mit Schmerzmitteln eingenommen werden?

Die gleichzeitige Anwendung wurde in einzelnen Studien untersucht. Nicht alle Wechselwirkungen sind ausreichend erforscht. Lassen Sie die Kombination anhand Ihrer vollständigen Medikamentenliste ärztlich oder pharmazeutisch prüfen.

Hat PEA Nebenwirkungen?

Unerwünschte Reaktionen sind trotz überwiegend guter Verträglichkeit in bisherigen Studien möglich. Insbesondere zur langfristigen Einnahme und zu bestimmten Patientengruppen sind die Daten begrenzt.

Zum Autor

Mag. pharm. Bernd Edler Apotheker und Inhaber der Apotheke St. Martin in Villach in einem weißen Apotheker Kittel.

Mag. pharm. Bernd Edler, BA ist 

Apotheker und Inhaber der St. Martin Apotheke in Villach. Die Apotheke bietet persönliche pharmazeutische Beratung zu Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

Autorenprofil: St. Martin Apotheke

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle pharmazeutische Beratung. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Quellen

1. Kordula Lang-Illievich, Christoph Klivinyi, Christian Lasser, Connor T. A. Brenna, Istvan S. Szilagyi und Helmar Bornemann-Cimenti. Palmitoylethanolamide in the Treatment of Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis of Double-Blind Randomized Controlled Trials. Nutrients. 2023;15(6):1350.

DOI: https://doi.org/10.3390/nu15061350

2. Vittorio Schweiger, Carlo Schievano, Alvise Martini, Luca Polati, Giovanna Del Balzo, Salvatore Simari, Beatrice Milan, Gabriele Finco, Giustino Varrassi und Enrico Polati. Extended Treatment with Micron-Size Oral Palmitoylethanolamide (PEA) in Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2024;16(11):1653.

DOI: https://doi.org/10.3390/nu16111653

Produktinformation

Unser Präparat: ApoLife PEA 600

Nahrungsergänzungsmittel mit 600 mg PEA pro Kapsel. Angaben zur vollständigen Zusammensetzung und Verzehrempfehlung finden Sie beim Produkt und auf der Packung. Bei Fragen zur Auswahl beraten wir Sie gerne persönlich oder telefonisch unter +43 4242 59512.

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